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Magazin / Das ist gourmetfein / Raus aus der Nische!

Raus aus der Nische!

von gourmetfein Redakteur

28. Oktober 2020

wiener zeitung raus aus der nische v2

Tierwohl muss verbindlicher Standard in der Fleischproduktion werden!

Gastkommentar von Fritz Floimayr in der Wiener Zeitung vom 28.10.2020

 

Wenn man sich Websites großer Fleischproduzenten ansieht, dann bekommt man mitunter den Eindruck, sich vertippt zu haben und irrtümlich beim Online-Auftritt eines Gnadenhofs oder einer Tierschutzorganisation gelandet zu sein. Glückliche Schweine auf Stroh tummeln sich dort mit freilaufenden Kälbern und führen ein scheinbar perfektes Leben im ländlichen Idyll. Auch in Inseraten in Hochglanzmagazinen oder in Werbefilmen begegnen einem solche Bilder erstaunlich häufig, in jüngster Zeit sogar noch öfter als sonst. Dass die traurige Realität leider meist ganz anders aussieht, wissen die meisten auch.

Ja, natürlich gibt es sie, Tierwohl-Projekte großer Fleischverarbeiter. Die dabei erzeugten Lebensmittel sind zweifelsfrei von hoher Qualität und werden mit großem Marketing-Einsatz auch über Handelsketten vertrieben. Zudem tragen sie mit Sicherheit auch dazu bei, dass Konsumenten sich wohler fühlen, wenn sie ins Kühlregal greifen. Doch wenn wir ehrlich sind, müssen wir uns fragen: Welchen Anteil machen sie an der gesamten Herstellung aus? Nicht nur in der Gesamterzeugung, sondern auch bei den einzelnen Herstellern? Exakte Zahlen liegen nicht vor, wir sind auf Schätzungen angewiesen.

Nehmen wir als Beispiel einen fiktiven österreichischen Fleischverarbeiter, der jede Woche rund 5.000 Schweine schlachtet. Um diese große Anzahl an Tieren verarbeiten zu können, braucht man auch jede Menge Lieferanten. Wenn wir uns aber ansehen, wie viele Bauern diese vor den Vorhang gehobenen Tierwohl-Projekte beliefern, dann können wir uns leicht ausrechnen, dass wohl nur 10 bis maximal 15 Prozent der Gesamtproduktion dieses Betriebs aus dem Tierwohl-Bereich stammen. Man möge mich nicht falsch verstehen - ich halte es für eine tolle Sache, wenn große Erzeuger auch tierfreundliche Nischenprogramme haben.

Aber ich halte es für ein großes Problem, wenn die Nischenprogramme zum einzig sichtbaren Teil der Lebensmittelerzeugung werden. Wenn immer die ein, vielleicht sogar zwei Vorzeigeställe eines großen Unternehmens als Symbolbild für die gesamte Produktion herhalten müssen, entsteht ein völlig verzerrtes Bild in der öffentlichen Wahrnehmung. Und das ist unfair, sowohl gegenüber dem Gros der Landwirte, denen damit suggeriert wird, dass ihre Ställe nicht in Ordnung seien. Als auch gegenüber den Konsumenten, die ein Recht haben zu erfahren, woher ihre Lebensmittel tatsächlich stammen. Wenn wir echten Fortschritt wollen, müssen wir raus aus der Nische kommen. Unser Ziel muss es sein, dass wir Tierwohl und Naturschutz zum verbindlichen Standard in der Fleischerzeugung machen. Die AMA-Zertifizierung muss das Mindestmaß sein.

 

Nicht einmal zu 100 % durchgängig AMA zertifiziert

Das sage ich nicht als Tierschutz-Romantiker, der keine Ahnung von der Landwirtschaft hätte. Sondern als jemand, der mit seinem eigenen Unternehmen bewusst diesen Weg bereits vor Jahren beschritten hat. Als jemand, der von seinen Partnerbauern aus gutem Grund verlangt, auf Glyphosat, Gentechnik und Soja aus dem Regenwald zu verzichten. Als jemand der im eigenen Unternehmen darauf besteht, dass die Schweine nicht mit dem Lkw in der Nacht massenhaft aus halb Europa herangekarrt werden, sondern der alle Tiere bei sich in Oberösterreich aufwachsen lässt und dann in weniger als 60 Minuten zu ihrem letzten Gang bringt. Als jemand, der draufschreibt, woher die Lebensmittel kommen. Und zwar nicht nur beim Frischfleisch, sondern auf jedes einzelne Produkt, also auch auf die verarbeiteten, etwa den Leberkäse. Nicht nur mit dem Ort der Entstehung, sondern sogar mit dem konkreten Namen der Bauernfamilie, die sie erzeugt hat. Weil sie zu Recht stolz auf ihre Erzeugnisse und weil wir wiederum zu Recht stolz auf unsere Bauern sind.

Ja, all das kostet unsere Partnerbauern um einiges mehr an Zeit und Arbeitseinsatz. Aber wir sind bereit, diese Mehrkosten abzugelten. Und zwar dauerhaft. Mir geht es absolut nicht darum, die anderen Fleischverarbeiter in Österreich in ein schlechtes Licht zu rücken. Mir geht es vielmehr darum, das System grundsätzlich zu ändern, in dem es inzwischen glücklicherweise von Tierwohl-Projekten wimmelt, in denen der Standard aber immer noch zu niedrig ist. Denn die meisten Erzeuger sind nicht einmal zu 100 Prozent durchgängig AMA-zertifiziert. Aber davon erfahren die meisten Menschen nichts.

 

Die Zukunft liegt im Feinkostladen Österreich

Aus meiner Sicht müssen wir alle, also die Landwirte, die Veredler, die Händler, die Konsumenten und auch die Politik gleichermaßen etwas dazu beitragen, dass die heimische, kleinbäuerliche Landwirtschaft in Österreich auch in Zukunft weiter bestehen kann. Das wird sie aber nicht im Wettbewerb mit den deutschen, polnischen oder gar chinesischen Tierfabriken. Unsere Zukunft in Österreich liegt im sprichwörtlichen Feinkostladen, wo auf jedem Lebensmittel draufsteht, wo es herkommt und wie es hergestellt wurde. Dazu braucht es den Mut zum Tierwohl, aber auch die Ehrlichkeit hinsichtlich der aktuellen Realität.

Die schönen Bilder und die tollen Inserate zu den Tierwohl-Projekten helfen vielleicht dabei, eine kleine Nische und das Wohlgefühl einiger Menschen zu bedienen. Sie ändern jedoch nichts am grundsätzlichen Problem. Was wir jetzt wirklich brauchen, ist ein Schulterschluss für eine echte Reform. Ich bin mir sicher, dass die Konsumenten bereit sind, mehr für Lebensmittel zu bezahlen, die tier- und klimafreundlich erzeugt wurden. Die in der Region hergestellt werden und bei denen draufsteht, woher sie stammen. Dazu müssen wir die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen, und das kann keiner von uns alleine.

 

Mehr Mut zur Wahrheit bei der Nutztierhaltung

Wir brauchen die verpflichtende Herkunftskennzeichnung. Wir brauchen sie bei verarbeiteten Produkten im Handel, wir brauchen sie in der Gastronomie und auch in der Gemeinschaftsverpflegung. Wir brauchen sie so, dass entweder auf einen Blick ersichtlich klar ausgelobt wird, woher das Produkt stammt, oder dass alternativ angegeben werden muss, dass die Herkunft unbekannt ist. Der Konsument kann dann entscheiden, ob er die heimischen Landwirte unterstützen möchte oder doch lieber die ausländische Massentierhaltung. Ich zweifle keine Sekunde am Konsumenten und seiner Wahl für das Gute.

Wahnsinnig viel Geld wird derzeit in die Werbung gesteckt, um den Eindruck zu erwecken, dass alles nicht so schlimm sei, wie immer mehr Menschen angesichts der erschreckenden Aufnahmen von unwürdigen Bedingungen in manchen Ställen befürchten. Ich glaube, wir sind besser dran, wenn wir uns zusammenschließen, um eine Reform zu erzielen. Mit dem ganzen Selbstbewusstsein, das wir als Ernährer der Bevölkerung zurecht auch haben können. Aber eben auch mit dem nötigen Mut zur Wahrheit, die in manchen Bereichen noch nicht so schön aussieht, wie wir das gerne hätten. Ändern wir das.

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